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2. Auricher Gesundheitsmesse

7. + 8. November 2009 in der Sparkassenarena


ON-Bericht vom 27.10.09, Seite 3 - Teil 1

Für gesünderes Leben ist es nie zu spät

2. Auricher Gesundheitsmesse findet diesmal in der Sparkassenarena statt / Über 100 Aussteller erwartet

DIE THEMEN DER GESUNDHEITSMESSE
Die Ostfriesischen Nachrichten berichten in den nächsten Ausgaben über die medizinischen Themenbereiche der 2. Auricher Gesundheitsmesse. Die veröffentlichten Informationen stammen von verschiedenen Medizinern der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik.


Aurich.Die 2. Auricher Gesundheitsmesse, die am Sonnabend und Sonntag, 7. und 8. November, in der Sparkassenarena stattfindet, stellt das Thema Vorsorge in den Mittelpunkt.
Ziel der Messe, initiiert von der AOK Aurich, der Apotheke im Carolinenhof und der Ubbo-Emmius-Klinik Aurich ist, der Bevölkerung die Chance zu geben, sich ausführlich vor Ort bei Experten über Gesundheitsprobleme zu informieren oder sich kundig zu machen, wie man Gesundheitsprobleme vermeiden kann.

Ist der Blutdruck in Ordnung? Auch während der ersten Auricher Gesundheitsmesse informierten sich viele Besucher. Archiv-Foto: Frobenius
Über hundert Aussteller informieren über vielfältige Möglichkeiten, die Gesundheit zu erhalten oder die Lebensqualität zu steigern. Anschaulich werden medizinische Produkte und Heilverfahren demonstriert, unterstützt durch ein umfassendes Vortragsprogramm. Hier wird die ostfriesische Bevölkerung nicht nur über die Standards der Schulmedizin, sondern auch über alternative Heilverfahren informiert. Denn es gilt: Wissen um die Vorsorge ist die beste Therapie.
In Deutschland sind derzeit 25 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre. Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 die Zahl der 60-Jährigen und Älteren um rund zehn Millionen zunimmt und gleichzeitig die Zahl der 20- bis unter 60-Jährigen um etwa 16 Millionen zurückgeht. Diese demografische Entwicklung macht deutlich, dass frühzeitige und lebensbegleitende Maßnahmen zur Förderung des gesunden Alterns und der Gesunderhaltung im Alter wichtig und erforderlich sind. Nach Angaben vom Ärztlichen Direktor der Auricher Ubbo-Emmius- Klinik, Priv.-Doz. Dr. Hans- Jörg Klotter, arbeite man seit dem Weltgesundheitstag 1999 zum Thema "Aktiv leben - Gesund alt werden" bezüglich der Gesundheitsförderung mit folgender Zielsetzung: Das Alter soll als Chance und Erfolg gewertet und unter dem Aspekt des Zugewinns an Lebensqualität gestaltet werden. Hierzu werden Ideen und Strategien zur Gesundheitsförderung und Prävention im Alter aufgezeigt. Forciert werden daher Kampagnen zur Übermittlung eines "positiven Altersbildes", die Entwicklung eines gesunden Lebensstils mit ausreichendem körperlichen und kognitivem Training. Auch spielen ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr eine Rolle, wenn es um die Eindämmung krankheitsfördernder Risikofaktoren und die Förderung einer aktivierenden, rehabilitativen Pflege geht.
Gesundheitsförderung und Prävention sei wichtig, in jungen Jahren ebenso wie in späteren, so Dr. Klotter. Wenn es auch aus Expertensicht am besten sei, vom Lebensbeginn an gesund zu leben und durch Früherkennungsuntersuchungen Heilungschancen bei Krankheiten zu verbessern, so sei auch unumstritten, dass es nie zu spät sei, den eigenen Lebensstil positiv zu verändern. Krankheiten könnten somit abgewehrt oder aber im Verlauf günstig beeinflusst werden.
Es gehe dabei nicht nur um die gesunden älteren Menschen, sondern gerade auch um die, die nicht das Glück hätten, bis ins hohe Alter gesund zu sein, so der Ärztliche Direktor. Auch hier könne man Mut machen. Es werde festgestellt, dass auch noch im Alter verlorene Fähigkeiten wiedergewonnen werden könnten. Die wichtigste Maßnahmen, um dies zu erreichen, seien die Rehabilitation und die aktivierende Pflege.
Die ON stellen die Themen der Gesundheitsmesse in den nächsten Ausgaben als Serie vor.



ON-Bericht vom 28.10.09, Seite 6 - Teil 2

Für das Herz die eigene Lebensweise überdenken

Die koronare Herzkrankheit und der Herzinfarkt sind häufig auftretende Todesursachen / Die Risikofaktoren sind zum Teil beeinflussbar

Aurich. Die koronare Herzkrankheit ist eine sehr häufig vorkommende Gefäßerkrankung. 17 Prozent der Todesfälle in Deutschland sind hierauf zurückzuführen. Begünstigt durch unterschiedliche Risikofaktoren kommt es durch Gefäßverkalkung zu Veränderungen der Wand der Herzkranzgefäße. Wenn diese Veränderungen zu Einengungen führen, können die betroffenen Patienten unter Beschwerden leiden, die als "Angina pectoris" bezeichnet werden. Typische Symptome dabei sind Schmerzen sowie ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, das auch bis in einen Arm oder den Unterkiefer strahlen kann.
Diese Symptome können – abhängig von der Art und Ausprägung der Gefäßverengungen – bereits in körperlicher Ruhe oder aber unter Belastung auftreten. Begleitet werden die Beschwerden oft von Schweißausbrüchen, Übelkeit und einem Angstgefühl. Bei Frauen und bei Diabetikern können die Symptome atypisch sein oder sogar trotz Erkrankung fehlen.
Blutgerinnsel in einem Herzkranzgefäß können einen Herzinfarkt auslösen, bei dem Herzmuskelgewebe abstirbt und eine Narbe entsteht. Hierbei kann es zu gefürchteten Rhythmusstörungen kommen, die als "Kammerflimmern" die Ursache des sogenannten plötzlichen Herztodes sind. Außerdem kann sich akut oder im weiteren Verlauf durch einen Herzinfarkt eine Herzschwäche entwickeln. Die Patienten können zwar trotz gesunder Lebensweise aufgrund von Alterungsprozessen eine koronare Herzkrankheit und schließlich einen Herzinfarkt entwickeln.
Es gibt aber einige Risikofaktoren, die beeinflussbar sind. Folgende Faktoren erhöhen das Erkrankungsrisiko: Rauchen, Übergewicht, erhöhte Blutfette, Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit"), Bewegungsmangel. Diese können zumindest in Grenzen positiv beeinflusst werden, um das Risiko zu verringern. Erbliche Einflüsse können zwar nicht verändert werden, jedoch sollte ein hohes familiäres Risiko zum Anlass genommen werden, die eigene Lebensweise zu überdenken. In der Ubbo-Emmius- Klinik in Aurich werden jährlich etwa 250 Patienten mit einem Herzinfarkt behandelt. Da zum einen das Infarktgefäß so schnell wie möglich wieder eröffnet werden solle und die Patienten lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln könnten, sollte ein Notarzt alarmiert werden. Dieser könne oft die Diagnose schon vor Ort stellen, so Dr. Dieter Seidler, Chefarzt der Inneren Abteilung an der UEK in Aurich. Um das verschlossene Herzkranzgefäß wieder "zu eröffnen", muss der Arzt entweder eine Herzkatheteruntersuchung vornehmen oder dem Patienten ein bestimmtes Medikament geben. Dieses kann auch der Notarzt vor Ort verabreichen, wenn es sich um einen im EKG eindeutigen Infarkt handelt. Der Patient, so Dr. Seidler, sollte schnellstmöglich zum nächsten Herzkatheterlabor gebracht werden. Die UEK hat für diese Fälle eine Kooperation mit der Kardiologischen Abteilung in Leer geschlossen, sodass diese Patienten möglichst auf direktem Weg zur Herzkatheteruntersuchung dorthin gebracht werden.
Bei kleineren Herzinfarkten oder solchen, bei denen die akute Phase schon vorüber ist, werden die Behandlung und Überwachung zunächst auf der Intensivstation der UEK in Aurich vorgenommen, um die Patienten gegebenenfalls später, bei einer geplanten Verlegung zur Herzkatheteruntersuchung, entweder in das Krankenhaus Leer oder in das Klinikum Oldenburg zu bringen. Von dort aus werden sie meistens am Tag nach der Herzkatheteruntersuchung nach Aurich zurückverlegt. In vielen Fällen werden Patienten aufgrund der Beschwerden aber auch im Krankenhaus überwacht, bis ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden konnte.
Abgesehen von der "Linksherzkatheteruntersuchung" bietet die UEK in Aurich laut Dr. Seidler alle gängigen Verfahren der Diagnostik und Therapie an. Hierzu gehören neben der Betreuung auf der modernen Intensivstation u. a. die Techniken des EKG, das Belastungs- und Langzeit- EKG, der Ultraschall, die Spiegelung der Speiseröhre sowie die Labordiagnostik im eigenen Haus.
Interessierte erfahren mehr zu diesem Thema während eines Vortrags, der am Sonnabend, 7. November, ab11 Uhr auf der Gesundheitsmesse stattfindet.


Das begehbare Herzmodell. Foto: organmodelle.de

Ein Herz zum Anfassen bieten die Organisatoren der Gesundheitsmesse in Aurich ihren Besuchern. Am Stand der AOK wird ein großes Herzmodell aufgestellt. Es ist 400 Kilogramm schwer, 2,05 Meter hoch, 2,40 Meter breit und 4,10 Meter lang.
Das begehbare Herzmodell stellt den anatomischen Aufbau des Organs dar. Es verdeutlicht, wie dieser Hohlmuskel den Blutkreislauf in Gang hält, zeigt aber auch krankhafte Veränderungen auf. Außerdem werden der Einsatz medizinischer Implantate wie Stents und künstlicher Herzklappen dargestellt und die Gefäßumgehung durch Bypasslegung aufgezeigt.
Die Funktionsweise des Herzens ist komplex und nicht frei von Störungen. Herzerkrankungen nehmen immer mehr zu. Schon lange gelten sie als Haupttodesursache. Die mit Abstand wohl häufigste Todesursache stellen die verschiedenen Herzerkrankungen in ihrer Gesamtheit dar. Alle Herzerkrankungen, ob Infarkt, Herzmuskelschwäche, Herzanfälle oder andere Störungen des Herzens kann man nicht selber behandeln, stets muss ein Arzt hinzugezogen werden. Erklärtes Ziel ist, durch fundierte Informationsvermittlung Früherkennung und Vorsorge zu profilieren. Die Präsentation des begehbaren Herzmodells soll die 2. Auricher Gesundheitsmesse zielgerichtet unterstreichen. Abgesehen von bloßen Statistiken bleibt zu bedenken, wie tiefgreifend Herzerkrankungen nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihres Umfelds beeinflussen.
Die 2. Auricher Gesundheitsmesse, bei der dieses sensible Thema mit einem begehbaren Herzmodell auch dem medizinischen Laien deutlich gemacht werden kann, zeigt nachhaltig Wirkung. Das begehbare Herzmodell ist für die AOK, die UEK Aurich und die Apotheke im Carolinenhof ein zeitgemäßes Medium, um Betroffenen und Interessierten den Umgang zu erleichtern. Optisches und haptisches Wahrnehmen vermittelt auch dem breiten Publikum wichtige Informationen klar verständlich.
Chefarzt Dr. med. Dieter Seidler und sein Team der UEK Aurich sowie Dr. Paulus und Dr. Köhnemann, niedergelassene Kollegen aus Aurich, werden Führungen durch das Herzmodell veranstalten.




ON-Bericht vom 30.10.09, Seite 4 - Teil 3

Beweglich bleiben mit der Prothese

In Deutschland werden bis zu 250000 Kunstgelenke im Jahr implantiert / Meist Hüften und Knie betroffen

Aurich. Ihren Siegeszug haben Prothesen als Ersatz für große und kleinere Gelenke seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts angetreten. Heute werden in Deutschland zwischen 200000 und 250000 Kunstgelenke pro Jahr implantiert.
Schwerpunktmäßig werden Hüft- und Kniegelenke ersetzt, wobei der künstliche Hüftgelenksersatz inzwischen einen der häufigsten Operationen in der Orthopädie darstellt. Für alle "endoprothetischen Versorgungen", so der Fachbegriff, gilt, dass ein Gelenk ganz oder nur zum Teil ersetzt wird. Bei einer erfolgreichen Operation wird eine weitestgehend normale Funktion und Einsatzmöglichkeit des Gelenkes ermöglicht.
So versteht man unter einer "Hüft-Totalendoprothese" ein künstliches Hüftgelenk. Dabei besteht das künstliche Hüftgelenk aus den gleichen Teilen wie das menschliche: Aus der Gelenkpfanne und dem Gelenkkopf, der auf dem Gelenkschaft sitzt. Die Gelenkpfanne wird vom Beckenknochen gebildet, während der Gelenkkopf mit dem Gelenkschaft zum Oberschenkelknochen gehört. Einen Sonderfall stellt die Hüft-Teilprothese dar, bei der lediglich der Gelenkkopf ersetzt wird. Um eine ungestörte, schmerzfreie und dauerhafte Funktion zu erreichen, werden an die Materialien eines künstlichen Hüftgelenkes hohe Anforderungen gestellt. Sie müssen korrosionsbeständig sein, dürfen zu keinen Unverträglichkeitsreaktionen führen, müssen den im Körper auftretenden Drücken und Biegebelastungen widerstehen und dürfen beim Aneinanderreiben der Gelenkpartner keinen Abrieb entstehen lassen. Zum Einsatz kommen daher bestimmte Metalllegierungen, unter denen sich Titan befindet, Keramik und Spezialkunststoffe.

Das Modell eines künstlichen Kniegelenks. Foto: dpa
Das künstliche Hüftgelenk muss mit dem körpereigenen Knochen verbunden werden. Nach der Art und Weise der Verankerung der Prothese im Knochen werden drei Prothesentypen unterschieden: die zementfreie Prothese, die zementierte Prothese und die Hybridprothese.
Ein künstliches Hüftgelenk wird immer dann eingesetzt, wenn die Funktion des eigenen Hüftgelenkes dauerhaft gestört ist oder der Betroffene durch zunehmende Schmerzen in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Dafür kommen verschiedene Ursachen in Betracht: eine Arthrose, Entzündungen, Fehlbildungen oder Deformierungen, Verletzungen oder Überlastungen. Unter einer Arthrose versteht man eine sehr schmerzhafte Gelenkveränderung infolge eines krankhaften Verschleißes des Gelenkknorpels. Im Bereich des Hüftgelenkes spricht man von einer "Coxarthrose", abgeleitet von dem lateinischen Begriff "Coxa" für Hüfte. Eine Coxarthrose kann ohne ersichtliche Ursache auftreten und wird dann als "primäre Coxarthrose" bezeichnet. Sie kann aber auch im Verlauf einer anderen Erkrankung auftreten, beispielsweise bei Durchblutungsstörungen, und wird dann als "sekundäre Arthrose" bezeichnet.
Veränderungen und Entzündungen des Hüftgelenkes, etwa bei Rheuma oder einer Verschleppung von Bakterien über den Blutweg, können die Gelenkstrukturen ebenfalls dauerhaft zerstören. Fehlbildungen oder Verformungen des Hüftgelenkes führen dazu, dass das Hüftgelenk auf Dauer falsch belastet wird. Durch diese Fehlbelastung nimmt die Beweglichkeit des Hüftgelenkes ab, es treten Schmerzen unter Belastung und später auch im Ruhezustand auf. Eine chronische Überlastung des Hüftgelenkes bei Übergewicht kann ähnliche Folgen haben. Ein weiterer Grund für das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes sind Verletzungen der Gelenkstrukturen durch Unfälle, wie die recht häufigen Schenkelhalsfrakturen bei älteren Menschen.
Chefarzt Dr. Karl Friedemann Hopf wird auf der 2. Gesundheitsmesse in Aurich ausführlich mit den Besuchern über alle Möglichkeiten des Gelenkersatzes diskutieren. Anzutreffen ist er am Stand der Ubbo-Emmius-Klinik.



ON-Bericht vom 31.10.09, Seite 8 - Teil 4

Darmkrebs: Täglich Fisch kann vorbeugen

Verzehr von rotem Fleisch hingegen schadet eher / Krankheit zunächst oft symptomlos / Kassen zahlen Vorsorge ab 55. Lebensjahr

Aurich. Als Darmkrebs (kolorektales Karzinom) bezeichnet man alle bösartigen (malignen) Tumore des Darmes. Darmkrebs ist in Deutschland bei Männern und Frauen die zweithäufigste Krebsart, an der mehr als sechs Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens erkranken.
Kolorektale Karzinome verursachen zunächst sehr selten Symptome, sie entstehen fast immer aus anfangs gutartigen Darmpolypen. Die Heilungschancen durch Operation und Chemotherapie mit Fünf-Jahres-Überlebensrate von 40 bis 60 Prozent im Mittel hängen entscheidend vom Krankheitsstadium ab, in dem der Darmkrebs entdeckt wird.
Seit 2002 übernehmen die Krankenkassen in Deutschland für alle Versicherten ab dem 55. Lebensjahr die Kosten einer Darmspiegelung ("Vorsorge-Koloskopie"), um durch Entfernung etwaiger Polypen dem Darmkrebs vorzubeugen. Im Jahr 2005 verstarben hier mehr als 20000 Menschen an dieser Erkrankung.
Die wichtigsten Risikofaktoren sind hohes Alter und Darmpolypen, die oft entarten. Weitere, seltene Risikofaktoren sind genetische Vorbelastung (Familienmitglieder mit Darmkrebs in direkter Linie haben ein etwa dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko) sowie genetische Syndrome, die mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Darmkrebs einhergehen.
Ein Risiko stellt außerdem eine zu kalorienreiche Ernährung mit viel fett- und fleischreicher Kost und einem niedrigen Anteil an Ballaststoffen dar. Insbesondere der tägliche Genuss von rotem Fleisch (wie beispielsweise Schweine- und Rinderfleisch ) oder Fleischprodukten erhöht das Darmkrebsrisiko um mindestens 50 Prozent. Täglicher Fischgenuss hingegen senkt es auf etwa die Hälfte.
Bis vor Kurzem stand auch der Mangel an ballaststoffreicher Kost im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen, dies konnte aber nicht sicher erhärtet werden. Meist entwickelt sich der Darmkrebs über gutartige Vorstufen, die Dickdarmadenome (sogenannte Polypen). Diese Entwicklung von bösartigen Tumoren aus gutartigen Vorstufen nennt man Adenom-Karzinom- Sequenz.
Darmkrebs ist häufig sehr lange symptomlos. Erst wenn der Tumor in größerem Maße blutet oder wenn er das Darmvolumen nennenswert einengt, kommt es zu Symptomen. Typische Symptome sind dann Blut oder Schleim im Stuhl, Darmkrämpfe, "Bleistift-" oder sogenannte "Ziegenköttelstühle", Durchfälle und Verstopfungen, sowie häufig quälende Blähungen. Durch den Blutverlust kann es zur Anämie (Blutarmut) mit den dazugehörigen Symptomen wie Leistungsabfall, Müdigkeit und allgemeine Schwäche kommen. Infolge der Tumorerkrankung kommt es häufig auch zu einem Gewichtsverlust eventuell bis hin zur Entwicklung einer Auszehrung des Körpers.
Das einzige Frühsymptom sind unsichtbare (okkulte) Blutungen, die mit Stuhltests festgestellt werden können. Dieser Test dient auch als Früherkennungsmaßnahme, die jedoch nicht hundertprozentig aussagefähig ist.
An erster Stelle der Diagnostik steht die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), eine allgemeine Untersuchung. Bei Verdacht auf Darmtumoren wird eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen. Während dieser Untersuchung werden bei entsprechendem Verdacht kleine Gewebsproben, sogenannte Biopsien, entnommen, die dann von einem Pathologen untersucht werden.
Die Darmspiegelung dient auch der Vorsorge, weil mit ihr gleich gutartige Polypen entfernt werden können, die ein Entartungsrisiko besitzen. So kann eine Vorsorgeuntersuchung zugleich zur Therapie eines Darmkrebses im Frühstadium führen. Aus diesem Grund wird in Deutschland die regelmäßige Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr zur Darmkrebsvorsorge von den Krankenkassen bezahlt.
Die Therapie richtet sich wie bei vielen Krebserkrankungen vor allem nach der Lage des Tumors und dem Tumorstadium. In der Regel wird eine vollständige operative Entfernung des betroffenen Darmabschnittes mit Entfernung des zugehörigen Lymphabflussgebietes empfohlen. Die Heilungschancen sind in frühen Stadien sehr gut. Die Operation beim bösartigen Darmtumor wird im Gegensatz zu Operationen bei gutartigen Darmerkrankungen bis zur wissenschaftlichen Sicherung nur offenchirurgisch durchgeführt. Die Prognose ist abhängig davon, wie tief der Tumor in das Gewebe, in die Darmwand eingedrungen ist und ob sich Lymphknoten- und Fernmetastasen gebildet haben.
Zum Vorbeugen des Darmkrebs besteht die Möglichkeit, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen. Da sich über die Hälfte der Tumoren im Mast- oder Enddarm befinden, kann Darmkrebs oftmals "ertastet" werden.
Dr. Dieter Seidler, Dr. Mathias Biedermann, Dr. Jörg Evers und Volker Seemann werden auf der 2. Auricher Gesundheitsmesse über die Vorsorgemöglichkeiten beim Dickdarmkrebs berichten.


Ein acht Meter langes Darmmodell können die Besucher der Auricher Gesundheitsmesse erkunden. Foto: organmodelle.de

DAS BEGEHBARE DARMMODELL

Auf der 2. Auricher Gesundheitsmesse können sich die Besucher ein genaues Bild vom Darm machen. Dazu wird ein begehbares Darmmodell aufgebaut. Es wiegt rund 400 Kilogramm, ist 2,05 Meter hoch, 1,55 Meter breit und acht Meter lang.
Über 5 Meter Länge verteilt, sind gesundes Gewebe sowie verschiedene Darmerkrankungen in unterschiedlichen Stadien, Polypen sowie ein Polypenstumpf, Adenome und ein Karzinom mit Durchbruch zu erleben.
Darmpolypen sind Schleimhautausstülpungen des Dickdarms. Meist verursachen diese keine Beschwerden. Gefährlich wird es allerdings, wenn die eigentlich gutartigen Schleimhautveränderungen entarten. In diesem begehbaren Darmmodell ist unter anderem die übermäßige Vermehrung gesunder Darmzellen dargestellt, daraus können kleine Schleimhautpolypen entstehen. Diese pilzähnlichen Vorwölbungen in den Darmraum sind zwar noch gutartig, werden aber bereits als potenzielle Krebsvorstufen betrachtet. Die Entwicklung vom Polypen zum bösartigen Tumor kann Jahre dauern. Bei bösartigen Tumoren ist das Zellwachstum absolut unkontrolliert, Polypen mutieren nun zu bösartigem Krebs. Das Karzinom durchbricht die Darmwand.
Auch in unserer aufgeklärten und aufgeschlossenen Gesellschaft ist heute das Thema Darmkrebs oft noch tabuisiert. Mit dem begehbaren Darmmodell soll das sensible Thema angemessen vermittelt werden. Ziel der Initiatoren der Gesundheitsmesse ist es, die Früherkennung durch Aufklärung und fundierte Informationsvermittlung zu forcieren.




ON-Bericht vom 2.11.09, Seite 4 - Teil 5

Ohne Rauchen: 90 Prozent weniger Lungenkrebs

Jährlich sterben daran etwa 40000 Menschen in Deutschland / Einstiegsalter bei 11,6 Jahren / Über 170 000 Neugeborene werden Schadstoffen ausgesetzt

Aurich. Lungenkrebs ist in Deutschland weiterhin die dritthäufigste Krebserkrankung. Von den jährlich über 46000 Neuerkrankungen entfallen 33000 auf Männer. Lungenkrebs ist bei Männern gering rückläufig, steigt jedoch bei Frauen in der Häufigkeit an.
Der Grund: Frauen rauchen immer häufiger und beginnen immer früher damit als noch vor Jahren. Lungenkrebs ist außerdem die am häufigsten tödlich endende Krebserkrankung: Jährlich sterben in Deutschland mehr als 40000 Menschen daran. Der Hauptrisikofaktor ist gut und lange bekannt: das Rauchen. Das Erkrankungsrisiko lässt sich mit einer einfachen Gleichung ausdrücken: Anzahl der gerauchten Zigaretten in Packungen mal Dauer des Rauchens in Jahren ergibt die so genannten "Packungsjahre". Je größer deren Zahl, desto größer ist das Lungenkrebsrisiko.
Zigarettenrauchen führt in Deutschland jährlich zu mehr Todesfällen als durch Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen. Rund 140000 Menschen sterben hierzulande jährlich an den Auswirkungen des Tabakkonsums – das sind 380 Personen pro Tag. Die Raucher werden in Deutschland immer jünger: Das durchschnittliche Einstiegsalter beträgt 11,6 Jahre.

Rauchen ist der Hauptrisikofaktor bei Lungenkrebs-Erkrankungen. Jährlich sterben etwa 140000 Menschen daran – 380 pro Tag. Foto: dpa
Das Ausmaß der Tabakrauchbelastung in Deutschland ist hoch: Mehr als 170000 Neugeborene werden jährlich bereits im Mutterleib den Schadstoffen ausgesetzt, etwa acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. Mehr als 35 Millionen erwachsene Nichtraucher werden zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit zu Passivrauchern. Jährlich sterben danach rund 2140 Nichtraucher an koronarer Herzkrankheit, 770 an Schlaganfall, 50 an chronischen Lungenerkrankungen und 260 Nichtraucher an Lungenkrebs. Etwa 60 Säuglinge sterben jährlich durch Rauchbelästigung im Haushalt sowie durch das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft.
Die Behandlung von Lungenkrebs hängt davon ab, welche Krebsart vorliegt und wie weit der Tumor sich schon ausgebreitet hat. Bei der Behandlung nicht-kleinzelliger Lungenkarzinome stehen Operation und Strahlentherapie sowie die Chemotherapie zur Verfügung. Das kleinzellige Lungenkarzinom wächst sehr schnell und bildet schon früh Metastasen. Eine Operation ist daher manchmal nicht möglich. Hier wird oft eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie durchgeführt. Bei einer Operation wird versucht Lungentumore vollständig zu entfernen. Vor der Operation muss der Arzt wissen, wo der Tumor genau sitzt, wie groß er ist und ob bereits Lymphknoten befallen oder Metastasen entstanden sind.
Bei sehr kleinen Tumoren, etwa Karzinome die kleiner als drei Zentimeter sind, ist nach der vollständigen Entfernung keine weitere Behandlung nötig. Große Tumore können oft vor der Operation durch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie verkleinert und anschließend operativ entfernt werden. Je nachdem, wie groß der Tumor ist, müssen entsprechend große Lungenanteile bis hin zu einem Lungenflügel mit den dazugehörigen Lymphknoten entfernt werden.

Das Bild zeigt einen geöffneten Brustkorb. Hier soll ein bösartiger Tumor aus dem Körper entfernt werden. Foto: privat
Ein größeres Lungenkarzinom wird nach der Operation mit Chemo- und/oder Strahlentherapie weiterbehandelt, um unentdeckte Krebszellen abzutöten und eine Streuung zu verhindern. Verschiedene neue Therapie-Ansätze, um die Heilungschancen von Lungenkrebs in Zukunft zu verbessern, sind beispielsweise Medikamente, die darauf abzielen, die Neubildung von Blutgefäßen zu hemmen. Damit wird der Tumor nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Er soll regelrecht "ausgehungert" werden. Eine Immuntherapie soll das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs unterstützen. In der Behandlung des Lungenkarzinoms sind inzwischen auch Antikörper in erfolgreicher Entwicklung. Der Wirkstoff blockiert einen Wachstumsrezeptor auf der Zelloberfläche der Krebszellen und hemmt dadurch Tumorwachstum und -ausbreitung.
Die Nachsorge bei Lungenkrebs beginnt nach der eigentlichen Therapie. Der Tumor wurde operiert, Chemo- und/oder Strahlentherapie sind abgeschlossen. Die Nachsorge des behandelnden Arztes verfolgt das Ziel, einen Rückfall so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Je länger kein Hinweis für ein neues Wachstum vorliegt desto größer werden die Abstände der Untersuchungen.
Dr. Ernst E. Förster von der Thoraxchirurgie der UEK Aurich und Dr. Birgit Pensel von der Inneren Abteilung werden interessierte Besucher über dieses Thema auf der 2. Gesundheitsmesse in Aurich informieren.



ON-Bericht vom 4.11.09, Seite 6 - Teil 6

"Jede Frau hat Angst vor Brustkrebs"

Früherkennung verbessert Heilungschancen entscheidend / Versicherte können sich einmal jährlich kostenlos untersuchen lassen

Aurich. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen, nicht jedoch die gefährlichste Krebsart. Rechtzeitig erkannt und behandelt, bestehen sehr gute Heilungsmöglichkeiten.
Rund 58000-mal im Jahr stellen Ärzte die Diagnose "Brustkrebs" bei einer Frau - Männer trifft sie nur sehr selten, etwa 400-mal jährlich. Die Zahl der tödlich endenden Erkrankungen sinkt seit einigen Jahren, 2005 waren es aber noch 17455. Immer mehr Frauen, die an Brustkrebs erkranken, haben gute Heilungsaussichten. Das sogenannte Mammakarzinom ist heute erfolgreicher behandelbar als früher - mit gezielteren und daher oft weniger belastenden Methoden. "Früherkennung durch Aufklärung und das Vermitteln von Informationen, das ist unser erklärtes Ziel", sagt Dr. Enrique Lehmann-Willenbrock, Chefarzt der Frauenklinik an der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik. Der Busen ist so einzigartig wie die Frau, zu der er gehört - zumindest äußerlich.

Querschnitt der weiblichen Brust.
Der innere Aufbau der Brust ist bei jeder Frau im Prinzip gleich. Die Brust besteht im Wesentlichen aus Drüsengewebe und Fett. Die Drüsen (Lobuli) bilden nach der Geburt eines Babys Milch, die durch die Milchgänge (Ductuli) zur Brustwarze fließt. In der Brust gibt es außerdem Blutgefäße, Nerven und Lymphgefäße. Über die Lymphbahnen fließt überschüssige Flüssigkeit aus der Brust ab.
* Brustkrebs: Veränderungen im Erbgut der Zellen können dazu führen, dass sich Zellen eines Organs oder Gewebes unkontrolliert teilen. Diesem unkontrollierten Mutieren folgt die Entstehung bösartiger Tumore, auch Mammakarzinome genannt.
* Tumor: Als Tumor bezeichnet man infolge von Zellneubildung entstehende Zellwucherung. Tumore können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Solche bösartigen Tumore werden auch als "Krebs" bezeichnet. Bösartige Zellen vermeh- ren sich in den Milchgängen und auch in den Drüsenläppchen. Es gibt also verschiedene Arten von Brustkrebs: Den Milchgangkrebs und den Läppchenkrebs, die in speziellen Gewebebereichen der weiblichen Brust in verschiedener Ausprägung entstehen können.
* Zysten: Eine Zyste ist ein Drüsenläppchen, dessen Ausführungsgang verschlossen ist. Da auch außerhalb der Schwangerschaft immer ein wenig Flüssigkeit in den Drüsen gebildet wird, sammelt sich diese im Läppchen, wenn sie nicht abfließen kann. Die Zyste wird dann langsam größer. Zysten sind an sich nichts Bösartiges, sie können auch nicht bösartig werden. Dennoch verursachen sie Probleme.
Die regelmäßige Untersuchung der Brust ist wichtig. Veränderungen im Brustgewebe können so auf einfache Weise festgestellt werden. "Jede Frau hat Angst vor Brustkrebs. Natürlich ist nicht jede Veränderung und jeder Knoten ein bösartiger Tumor. Aber jede Frau hat verständlicherweise Angst, es könnte doch einer sein", so Dr. Lehmann-Willenbrock.
Zur Aufklärung nennt der Mediziner die Stellen, an denen sich bösartige Tumore am häufigsten entwickeln: so treten 60 Prozent aller Knoten im äußeren oberen Viertel auf, zwölf Prozent liegen im inneren oberen Teil, zwölf Prozent treten im Bereich der Brustwarze auf. Zehn Prozent sitzen im inneren unteren Viertel der Brust, sechs Prozent im äußeren unteren Quadranten der Brust.
Die meisten Veränderungen der Brust können laut Dr. Lehmann-Willenbrock durch regelmäßige Vorsorge von den Frauen selbst entdeckt werden. Wird Brustkrebs rechtzeitig erkannt, verbessern sich in den meisten Fällen die Erfolgsaussichten der Behandlung entscheidend. Daher gibt es in Deutschland wie in vielen anderen Ländern auch für gesunde Frauen das Angebot regelmäßiger Untersuchungen.
Im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms in Deutschland können Versicherte sich einmal im Jahr kostenlos zur Früherkennung untersuchen lassen. Zur Früherkennung von Brustkrebs stehen Frauen je nach Alter verschiedene Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung. Hierüber informiert Dr. Lehmann-Willenbrock auf der 2.Gesundheitsmesse in Aurich.




ON-Bericht vom 5.11.09, Seite 6 - Teil 7

Neue Hoffnung für Inkontinenz-Patienten

Neues Verfahren ( "Sakralnervenstimulation") kann in Aurich ohne besondere Kostenzusage der Kassen eingesetzt werden

Aurich. Stuhl- und Harnhalteschwäche sind weiterhin Tabuthemen, obwohl die Deutsche Gesellschaft für Kontinenz weitreichende Aufklärungsarbeit geleistet hat. Häufig münden diese Erkrankungen in einer völligen Isolation, da die Betroffenen sich kaum noch aus dem Haus trauen. Dabei kann den meisten Patienten heutzutage gut geholfen werden.
Die weibliche Harninkontinenz wird an der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) von der gynäkologischen Abteilung, die Stuhlinkontinenz von der Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie durch besonders geschulte Ärzte behandelt. Oberarzt Dr. Helmut Reinhold ist als Facharzt für Gynäkologie der Ansprechpartner für die weibliche Harninkontinenz, Ober- arzt Dr. Johann Strandborg betreut als Facharzt für Allgemeinchirurgie und Proktologie Patienten mit Stuhlproblemen. Beide sind als Bera- ter der Deutschen Kontinenzgesellschaft zertifiziert.
Häufig besteht eine kombinierte Stuhl- und Harninkontinenz, sodass die Abteilungen im Rahmen eines Be- ckenbodenzentrums eng zusammenarbeiten.

Ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher wird eine Elektrode an Rückenmarksnerven gelegt und diese werden kontinuierlich stimuliert. Grafik: Medtronic
Die Inkontinenz betrifft häufig ältere Frauen, die mehrere Kinder zur Welt gebracht haben. Aber auch nach Voroperationen im Becken, am Beckenboden, am Schließmuskel und dem Enddarm kann es, wenn auch sehr selten, zur Harn- und Stuhlinkontinenz kommen.
Zur Entscheidung über das richtige Therapieverfahren ist in der Regel eine umfangreiche Diagnostik notwendig. Bei der Stuhlinkontinenz bieten neben der Funktionsprüfung des Darmschließmuskels (Anometrie) die Endos- kopie (Spiegelung des End- und Dickdarms) und die Radiologie (dynamische Kernspintomografie des Beckenbodens (MRT und Defäko- grafie) wichtige Entscheidungshilfen. Hier können die Ärzte der UEK mit modernster Technik eine genaue Darstellung des Beckenbodens und seiner Funktionen erzielen. Bei der Ultraschalluntersuchung des Schließmuskels können Schäden am Schließmuskel direkt festgestellt werden. Die Ursachenforschung der Harninkontinenz wird mittels urodynamischer und gynäkologischer Untersuchungen durchgeführt.
Neben operativen Maßnahmen, die an letzter Stelle der Behandlung stehen, kann in vielen Fällen über speziell geschultes Personal mittels eines speziellen Beckenbodentrainings (beispielsweise " Biofeedback conditioning") und spezielle Krankengymnastik die Funktion des Beckenbodens verbessert werden. Aber auch Medikamente können insbesondere bei der Harninkontinenz Heilung bringen. Nur bei 10 Prozent aller Patienten ist zur Therapie dieser Erkrankungen eine Operation notwendig. Die Stuhlinkontinenz kann im Wesentlichen mittels zweier Operationsverfahren behandelt werden. Bei großen Schließmuskeldefekten kommt nur eine operative Wiederherstellung infrage. Bei kleineren Schließmuskelschäden und nicht geklärter Inkontinenzursache, aber auch neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise der Multiplen Sklerose oder Querschnittslähmung kommt ein modernes, aber auch sehr teures Verfahren, die Sakrale Nervenstimulation, infrage. Dieses Operationsverfahren kann an der UEK auch bei einer speziellen Form der Harninkontinenz, der sogenannten "Drang- oder Urge-Inkontinenz", wenn Medikamente nicht wirken oder nicht vertragen werden, zur Anwendung kommen.
Ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher wird der Schließmuskel künstlich mit Nervenreizen versorgt. Seit Anfang des Jahres kann dieses schonende Verfahren in Aurich ohne besondere Kostenzusage durch die Krankenkassen eingesetzt werden. Hierbei sind zwei kleinere operative Eingriffe erforderlich. Im ersten Schritt wird während eines kurzen stationären Aufenthaltes eine Testelektrode im Bereich des Kreuzbeines implantiert.
In den folgenden drei Wochen wird der Schrittmacher von außen für den Patienten optimal eingestellt. Gelegentlich zeigt der Schrittmacher keine Wirkung, sodass die Elektrode dann einfach wieder herausgezogen werden kann. Bei Verbesserung der Symptomatik wird die Testelektrode bei einem zweiten kleinen Eingriff durch eine permanente Elektrode ersetzt und das Schrittmacheraggregat im Gesäßbereich unter der Haut versenkt. Etwa 70 Prozent der Patienten können mit diesem risikoarmen Verfahren erfolgreich behandelt werden, teilt die UEK mit.
Dr. Strandborg und Dr. Reinhold von der UEK Aurich werden die Besucher der Gesundheitsmesse ausführlich, aber auch diskret über das Thema informieren.



ON-Bericht vom 6.11.09, Seite 3 - Teil 8

Frühe Hilfen für Familien bieten

Fehlende Bindungen können emotionale und körperliche Entwicklung des Kindes erheblich beeinträchtigen

Aurich. Eine zuverlässige Diagnostik zum Ausschluss von Herzfehlern oder Herzrhythmusstörungen ist für den Allgemeinmediziner und den Kinderarzt unerlässlich. "Der kräftige Patientenzuwachs im Bereich der Kinderkardiologie in der Ambulanz der UEK bedurfte neuer Strukturen in der Versorgung dieser Kinder", sagt Dr. Rainer Willing, Oberarzt für Kinderkardiologie und Neonatologie an der Auricher Ubbo- Emmius-Klinik.
Um dem Bedarf einer heimatnahen und umfassenden Versorgung von herzkranken Kindern in Ostfriesland und Umgebung in hoher Qualität gerecht zu werden, hat die UEK im Juli 2009 eine Kooperation mit Dr. Andreas Meyer begonnen. Dr. Meyer ist niedergelassener Kinderarzt und Kinderkardiologe in Wittmund. "Er bereichert die kinderkardiologische Ambulanz durch seine Qualifikation. Das Spektrum des Angebotes konnte erweitert werden, die Versorgung wird kontinuierlich und Wartezeiten für die Familien haben sich reduziert", konnte Dr. Willing feststellen.
Die im Juli 2007 in Aurich gegründete Elterninitiative "Herzkinder Ostfriesland" unterstützt die Kooperation von Kinderklinik und Kinderkardiologen aus der Praxis. So konnte die Betreuung der Familien mit herzkranken Kindern auch im sozialmedizinischen Bereich deutlich ver- bessert werden. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Kinderärzten, der Ambulanz der Auricher Kinderklinik und der Eltern führt letztlich zu einer nachhaltigen Genesung der kleinen Patienten.

Auch die kleinen Patienten werden auf der Gesundheitsmesse berücksichtigt. Foto: dpa
Übergewicht (Adipositas) bei Kindern und Jugendlichen wird zu einem zunehmenden Problem in der Gesellschaft. Die Risiken und mittelfristigen Auswirkungen der Fettleibigkeit bei Kindern werden erst in den letzten Jahren richtig erkannt.
Kinderkardiologen und Kinderärzte sind hier gefragt, mit Prävention und Behandlungskonzepten bei Kindern und Jugendlichen die Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall in jungen Jahren zu vermeiden. Dr. Meyer stellt während der 2. Auricher Gesundheitsmesse diagnostische und therapeutische Möglichkeiten im Rahmen der Prävention vor und möchte mit den Eltern und Kindern am Sonntag während eines Vortrags ab 11 Uhr ins Gespräch kommen.
"Kinder mit sozial schwachem Hintergrund haben ein deutlich erhöhtes Risiko für körperliche, geistige und vor allem soziale Defizite in ihrer Entwicklung", so Dr. Willing. Durch eine häufig eingeschränkte oder fehlende Bindung innerhalb der Familie ist die emotionale, aber auch körperliche Entwicklung des Kindes von Anfang an eingeschränkt. "Damit können wir nicht nur Fälle von Vernachlässigung oder Kindswohlgefährdung, sondern auch die deutliche Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten bei heranwachsenden Kindern erklären", so der Oberarzt. Insbesondere Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizite und aggressive Verhaltensauffälligkeiten seien ein zunehmendes Problem in Kindergärten und Schulen, die einen Ursprung in der frühen Kindheit hätten. Mit dem Projekt "Gesunder Start" konnten im Familiengesundheitszentrum der UEK Angebote mit frühen Hilfen für Familien mit einem erhöhten Risiko für eine Entwicklungsstörung der Kinder von Geburt an nahegebracht werden. Durch die Ansiedlung des Projektes an der Kinderklinik und enger Zusammen mit der Geburtshilfe ist es gelungen, die Risikofamilien frühzeitig zu erfassen und ein breites Hilfsprogramm anzubieten. Die Familien werden über drei Jahre begleitet. Ein weiterer Projektansatz lag in der Knüpfung eines Netzwerkes aller Organisationen, die im Kinder- und Jugendschutz und mit diversen Hilfsangeboten für sozialschwache Familien aufgestellt sind.
Dr. Willing und Ute Krauss-Boeselie stellen am Sonntag, 8. November, ab 10 Uhr auf der Gesundheitsmesse die Daten der ersten zwei Jahre Projektarbeit vor, die einen Erfolg insbesondere in der Erreichbarkeit der Familien und der Akzeptanz der freiwilligen Hilfsangebote zeigen. "Die Netzwerkarbeit steht sicher noch am Anfang, hat aber in einigen Bereichen zu einer deutlich verbesserten Zusammenarbeit und dem Abbau von bürokratischen Hindernissen geführt", betont Dr. Willing.
Aktuell arbeite man an der Weiterführung dieser Maßnahmen über die Projektphase hinaus, um die erfolgreiche Arbeit für die Zukunft zu sichern und den Patienten und Klienten weiterhin wirksame Hilfen und Unterstützung anbieten zu können.



ON-Bericht vom 7.11.09, Seite 8 - Teil 9

Vorsorge schützt – und spart Kosten

Experten vermissen "Präventionskultur" / Gute Heilungschancen durch Vorsorge bei chronischen Erkrankungen oder Krebs

Aurich. Prävention rettet Leben und sichert Lebensqualität. Angesichts der aktuellen Entwicklung von einer altersmäßig ausgewogenen zu einer - sollten alle Erwartungen zutreffen - überalterten Gesellschaft wird man sich in Kürze großen volkswirtschaftlichen Problemen gegenüber sehen. "Prävention und Gesundheitsförderung werden deshalb für die Gestaltung des Gesundheitswesens immer wichtiger", so PD Dr. Hans-Jörg Klotter, Ärztlicher Direktor der Auricher Ubbo-Emmius-Klinik (UEK).
Vorsorge betrifft alle - den einzelnen Bürger, die Schulen und Kindergärten, die Betriebe, die Ärzte, die Kranken-kassen. Das "Reparatur-Angebot" des bestehenden Ge- sundheitswesens muss laut Dr. Klotter durch präventive Medizin ergänzt und Prävention fest in Erziehung, Bildung und der Aus- und Weiterbildung von Ärzten veran- kert werden. Der Handlungsbedarf sei akut. Ein Großteil der vorhandenen Vorsorgeangebote werde von Experten als stark verbesserungswürdig, die Teilnahmeraten durchgehend als zu gering bewertet. "Zum Handeln aufgerufen sind der einzelne Bürger sowie die verantwortlichen Akteure - insbesondere die Politik", fordert der Mediziner.
Zwar bieten die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland eine ganze Reihe von Vorsorgemaßnahmen an, doch werden diese von den Versicherten entweder zu wenig oder gar nicht in Anspruch genommen. Und das in Anbetracht der Tatsache, dass die Behandlung der "Volkskrankheiten" wie Diabetes, Tumor- und Herz- Kreislauferkrankungen einen Großteil der Kosten im Gesundheitswesen ausmachen, obwohl ausreichende Erkenntnisse vorliegen, dass ein großer Teil dieser Krankheiten sich durch rechtzeitige Prävention verhindern ließe.

Experten fordern, dem Thema Gesundheitsvorsorge einen größeren Stellenwert einzuräumen. Foto: dpa
Die Hauptursachen für die unbefriedigende Situation sieht man darin, dass es in Deutschland keine "Präventionskultur" gibt, dass adäquate Rahmenbedingungen fehlen und dass die bestehenden Programme unkoordiniert ablaufen und keiner systematischen Erfolgskontrolle unterliegen.
Um den Status Quo der Prävention in Deutschland nachhaltig zu verbessern, fordern die Experten, dass folgende Maßnahmen mit hoher Priorität umgesetzt wer- den sollten: Die Politik muss eindeutige Gesundheits- und Präventionsziele formulieren, Prävention muss fester Bestandteil von Bildung und Erziehung werden, der Wert von Gesundheitsvorsorge und Prävention muss den Bürgern über Aufklärungskampagnen nahegebracht werden, es müssen für Versicherte und Ärzte gute Anreizsysteme geschaffen werden und Prävention muss fester Bestandteil der Ausbildung von Medizinstudenten und der Ärztefortbildung werden.
"Ein erheblicher Teil der derzeit in Deutschland zum Tode führenden chronischen Erkrankungen kann durch präventive Maßnahmen verhindert oder zeitlich erheblich verzögert werden", betont Dr. Klotter. Ingesamt er- kranken in Deutschland pro Jahr etwa 400000 Menschen (0,5 Prozent der Bevölkerung) an Krebs und mehr als die Hälfte (210000) sterben daran. "In einem frühen Stadium erkannte Tumore können sogar zu fast hundert Prozent geheilt werden", gibt Dr. Klotter zu bedenken. Experten gehen davon aus, dass sich insgesamt 60 bis 70 Prozent (et- wa 260000Fälle) der jährlichen Krebsneuerkrankungen durch Prävention vermeiden ließen. Für viele der chronischen Erkrankungen sind Fehlernährung und Bewegungsmangel sowie daraus resultierendes Übergewicht ein Hauptrisikofaktor. In erster Linie zählen dazu Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. Auch bei einer Reihe von Krebserkrankungen wurde ein enger Zusammenhang mit Übergewicht nachgewiesen. Jüngste Studien aus den USA belegen den Erfolg primärer Prävention bei Diabetes.
Überträgt man das Ergebnis auf deutsche Verhältnisse, so ließen sich allein durch eine einfache (und kostengünstige) Vorsorgemaßnahme bei den jährlich 250000 neu an Diabetes mellitus Erkrankenden 40 Millionen Euro an direkten Behandlungskosten (5000 Euro pro Patient und Jahr) vermeiden. Gelänge es, langfristig die gesamte Bevölkerung zu einem gesunden Lebensstil zu bewegen - was letztlich Ziel aller präventiven Bemühungen sein muss, ließen sich die Diabetes-mellitus-Erkrankungen laut weiterer Studien um bis zu 90 Prozent reduzieren. Die Folge wären langfristig statt heute sechs bis acht Millionen Diabeteskranke nur noch 600000 bis 800000 - eine immer noch erhebliche Zahl. Doch würden die Kosten des Gesundheitswesens um jährlich bis zu 27 Milliarden Euro entlastet, die an Behandlungskosten für Diabetes aufgewendet werden müssen.
* Die 2. Auricher Gesundheitsmesse ist heute und morgen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro; Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren haben freien Eintritt.
* Zur Eröffnung der 2. Auricher Gesundheitsmesse wird heute ab 10.30 Uhr eine Gruppe von zehn Kindern eine Rap-Sequenz aus dem Auricher Schüler-Musical "Die Gezeichneten" in der Multihalle aufführen. Das Stück, in dem die Auricher Frauenärztin Dr. Elke Warmuth im Jahr 1987 ihre Erfahrungen während eines Aufenthaltes in einer indischen Leprastation verarbeitet hatte, wurde vor zwei Jahren überarbeitet und von Schülern in der IGS Aurich-West aufgeführt. Aktuellen Bezug bekam die Inszenierung durch die Erweiterung mit der AIDS-Problematik. Die Musik stammt aus der Feder von Lehrer Christoph Beyer.



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